Humanität ist keine Option – Helfen durch Zäune ist ein menschlicher Akt (Kettcar)

Schön! Da spricht mir einer genauso wie ich fühle, aus dem Herzen.
Zufällig heute in 3 SAT von Kettcar gehört. Musiker die sich trauen gegen den Haas, den Rechtsruck der Welt was zu sagen. Und es stimmt was er sagt. Pegida  ist nunmal im Osten stark, die AFD auch (ja auch im Westen, aber viel viel stärker doch im Osten).

Aber auch die Ostdeutschen deren Kultur sich noch immer deutlich vom Westdeutschen unterscheidet, (ohne Wertung, ist einfach so, Kultur wächst und prägt über die Jahre) standen vor noch nicht so langer Zeit vor einem Zaun und andere halfen ihnen darüber. Das sollte nicht vergessen werden, von denen, die jetzt am lautesten schreien. In der Mediathek von gerade eben 3 SAT habe ich es nicht gefunden, aber klar, waren sie auch schon bei Aspekte, Kulturliebende kennen die Sendung:

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/kettcar-live-auf-der-aspekte-buehne-100.html

Hier der Song text (wird im Link oben auch gespielt)

Es war im Sommer ’89. Der 12. August

In Hamburg ging es los
In seinem alten, himmelblauen Ford Granada
Kasseler Berge, Würzburg, Nürnberg, Linz, Wien
Ließ er alles links liegen
Das Ziel war das Burgenland, die österreichisch-ungarische Grenze
In Mattersburg besorgte er sich „den besten Bolzenschneider, den man für Geld kaufen konnte.“
Fast 400 Schilling
In Mörbisch am See checkte er in die Pension Peterhof ein
Kaufte sich einen Döner und wartete auf die Nacht
Um kurz nach eins klopfte es an seiner Tür
Der Verbindungsmann gab ihm einen Brief
Und verschwand wieder ohne ein Wort zu sagen
Er lernte den Brief auswendig und machte sich zu Fuß auf den Weg
Runter die Ödenburger Straße, vorbei an den letzten Laternen
Und kurz vor der Kehre in den Feldweg rechts rein bis ganz zum Ende
Die letzten hundert Meter weiter durch das hohe Gras
Hinein in das kleine Wäldchen

Die Grenzpatrouille um 3:30 abgewartet
Taschenlampe raus: drei mal kurz, zwei mal lang
Und dann auf der Lichtung sah er sie
Sie kamen
Gerannt

Es war im Sommer ’89, eine Flucht im Morgengrauen
Er war der Typ, der durch die Nacht schlich
Und schnitt Löcher in den Zaun
An einer ungarischen Grenze
Im ersten Morgengrauen
Nur ein Bolzenschneider nötig
Für Löcher im Zaun
Im Sommer ’89

Liefen sie so schnell es die Kinder zuließen
Bis zu den ersten Laternen
14 Menschen, drei Familien
Keine Champagnerkorken, kein Konfettijubel
Nur große Erleichterung und noch größere Erschöpfung
Sie gingen gemeinsam zum Busbahnhof, setzten sich auf die Bänke
Und warteten auf den 6:22er Bus nach Wien
Vor lauter Müdigkeit wurde kaum gesprochen
Nur einmal fragte ihn eins der Kinder
Was denn der Spruch auf seinem Dead-Kennedys-T-Shirt zu bedeuten hätte
Als der Bus dann pünktlich vorfuhr, gab er einem Vater seinen Wien-Stadtplan
Mit der eingekreisten Adresse der deutschen Botschaft
Er verteilte seinen letzten Schillinge noch auf die drei Familien
Und wünschte ihnen allen ein gutes Leben
Sie bedankten sich tränenreich und vielmals für alles
In einer Sprache und einem Dialekt, den er kaum verstand
Er vermutete damals, dass das Sächsisch war

Es war im Sommer ’89, eine Flucht im Morgengrauen
Er war der Typ, der durch die Nacht schlich
Und schnitt Löcher in den Zaun
An einer ungarischen Grenze
Im ersten Morgengrauen
Nur ein Bolzenschneider nötig
Für Löcher im Zaun
Im Sommer ’89

Love
Kimi
– eine Meinung haben ist gut!

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