Phantasien und Geschichten – Partie à trois

Hang zum Wunderbaren und Geheimnisvollen ist nichts als Streben nach unsinnlichem, geistigen Reiz. Geheimnisse sind Nahrungsmittel, incitierende Potenzen. Erklärungen sind verdaute Geheimnisse.“ (Novalis)

***
Wie einige von Euch wissen, liebe ich die Geschichte der O. Eine Geschichte, die so viel über Demut und bedingungslose Liebe aussagt, über einer Frau die grenzenlos liebte.

 O wußte nicht, ob sie den Mann ansehen dürfe, der mit René gekommen war und jetzt mit dem Rücken zu ihnen an der Tür stand und rauchte.
Das Folgende sollte ihre Zweifel nicht beseitigen. „Komm hierher, laß dich ansehen“, sagte ihr Gebieter, zog sie ans Bettende, bestätigte seinem Begleiter, daß er recht gehabt habe und fügte hinzu, es sei nur billig, wenn er O, falls er Lust dazu habe, als erster nehme.
Der Unbekannte, den sie noch immer nicht anzusehen wagte, ließ seine Hand über ihre Brüste und an den Lenden entlang gleiten und sagte, sie solle die Beine öffnen. „Gehorche“, sagte René zu ihr.
Sie stand aufrecht, mit dem Rücken an René gelehnt, der ebenfalls stand. Seine rechte Hand streichelte ihre Brust, die linke hielt sie an der Schulter fest. Der Unbekannte hatte sich auf den Bettrand gesetzt. Er hatte die Lippen ergriffen, die den Eingang ihres Schosses schützten, und sie langsam auseinandergezogen. Als René sah, was der andere von O wollte, schob er sie nach vorn und sein rechter Arm legte sich um ihre Taille, packte sie fester.
Dieser Liebkosung, die sie nie hinnahm, ohne sich zu wehren und ohne tiefe Scham zu empfinden, der sie sich immer so schnell wie möglich entzog, so schnell, daß sie kaum davon berührt wurde, die ihr als Sakrileg erschien – denn es erschien ihr als Sakrileg, daß ihr Geliebter vor ihr kniete, während doch sie vor ihm knien sollte – dieser Liebkosung, das spürte sie plötzlich, würde sie sich jetzt nicht verschließen können, und sie sah sich verloren.

Denn sie stöhnte, als die fremden Lippen sich auf das schwellende Fleisch preßten, an den Rand des Kelches und sie jäh entflammten, sich dann nur lösten, damit die warme Zunge sie noch heftiger entflammen konnte. Sie fühlte die verborgene Spitze hart und steif werden unter einem langen, saugenden Biß der Zähne und Lippen, einem langen und sanften Biß, unter dem sie keuchte.
Ihr Fuß glitt aus, sie fand sich wieder auf dem Rücken ausgestreckt, Renés Mund auf ihrem Mund, seine beiden Hände preßten ihre Schultern aufs Bett, während zwei andere Hände ihre Beine öffneten und hochhoben.
Ihre eigenen Hände, die unter ihren Lenden lagen (als René sie auf den Unbekannten zuschob, hatte er ihre Handgelenke gefesselt, indem er die Ringe der Armbänder in- einanderschob), wurden vom Geschlecht des Mannes gestreift, das sich zwischen ihren Schenkeln rieb, hochglitt und plötzlich in die Tiefe ihres Schosses stieß. Beim ersten Stoß schrie sie wie unter der Peitsche, dann bei jedem Stoß, und ihr Geliebter grub die Zähne in ihre Lippen.
Mit
einer brüsken Bewegung riß der Mann sich aus ihr, fiel wie vom Blitz getroffen zu Boden und schrie. René band O die Hände los, richtete sie auf und ließ sie unter die Decke schlüpfen. Der Mann stand auf, René ging mit ihm zur Tür. Blitzartig sah O sich verworfen, vernichtet, verdammt. Sie hatte unter den Lippen des Fremden gestöhnt, wie ihr Geliebter sie niemals stöhnen gehört hatte, geschrien unter dem zustossenden Glied des Fremden, wie sie bei ihrem Geliebten nie geschrien hatte.
Sie war entwürdigt und hatte Strafe verdient. Wenn er sie verließ, wäre das nur gerecht. Aber nein, die Tür schloß sich, er blieb bei ihr, kam zu ihr, legte sich an ihrer Seite unter die Decke, glitt in ihren feuchten und brennenden Schoß, hielt sie in dieser Umarmung fest und sagte: „Ich liebe Dich“.

Aus dem Buch der O.
Kimi,
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