Outcall: tut Tiefgang weh? Erinnere Dich wer Du wirklich bist – Time to reflect

Alles begann an jenem grauen Tag,  an dem Du aufhörtest, stolz – Ich BIN! zu sagen.
Und beschämt und ängstlich den Kopf senktest und zu Dir und anschließend zu den anderen sagtest: „ich werde/sollte sein“.  

Ich war vom ersten Moment da, im Adrenalin, das durch die Adern Deiner Eltern floß, als sie sich lieben, um Dich zu empfangen und später in der Flüssigkeit, die Deine Mutter in Dein kleines Herz pumpte,  als Du noch nichts weiter als ein Parasit warst.

Ich kam zu Dir, noch bevor Du sprechen konntest, bevor Du auch nur irgend etwas verstehen konntest, von dem was die anderen Dir sagten. Ich war schon da, als Du ungeschickt Deine ersten Schritte unternahmst, vor den vergnügt belustigten Augen aller.
Als Du unbeschützt und ausgesetzt warst, als Du verletzbar und bedürftig warst.

Ich trat in Dein Leben wie ein magischer Gedanke; in meiner Begleitung waren der Aberglaube und die Beschwörungsformeln, die Fetische und Amulette, die guten Manieren, die Gewohnheiten, die Tradition Deiner Lehrer, Deines Bruders und Deine Freunde.  Bevor Du wusstest, das es mich gibt, teilte ich Deine Seele in eine helle und in eine dunkle Welt. eine Welt mit dem, was gut und eine mit dem, was nicht gut ist.

Ich brachte Dir das Schamgefühl, ich zeigte Dir all das Schadhafte an Dir, das Hässliche, das Dumme, das Unangenehme.
Ich klebte Dir das Etikett „anders“ auf, ich sagte  Dir zum ersten Mal in sOhr, dass etwas ganz und gar nicht gut lief bei Dir.
Ich existierte schon vor der Bewusstwerdung, schon vor der Schuld, vor der Moral, mich gibt es seit Beginn der Zeitrechnung. seitdem Adam sich für seinen Körper schämte, als er dessen Nacktheit bemerkte und sie bedeckte.

Ich bin der unerwünschte Gast, der unerwünschte Besucher und trotzdem bin ich der Erste der kommt und der Letzte der geht.  Ich in mit der Zeit mächtig geworden, indem ich die Ratschläge Deiner Eltern befolgte, darüber, wie man im Leben Erfolg hat.
Indem ich die Gebote Deiner Religion beachtete, die Dir sagen was Du  zu tun und zu lassen hast (mindestens nach außen hin), um in Gottes Schoß aufgenommen zu werden. Indem ich die grausamen Scherze Deiner Schulkameraden erlitt, wenn sie sich über Deine Schwächen lustig machten. Indem ich die Erniedrigungen Deiner Vorgesetzten ertrug.

Indem ich Dein Spiegelbild betrachtete und es anschießend mit den Berühmtheiten aus dem Fernsehen verglich.

Und jetzt, endlich, mächtig wie ich bin und durch die einfache Tatsache
daß ich eine Frau bin,
daß ich schwarz bin,
daß ich Jude bin,
daß ich homosexuell bin,
daß ich Orientale bin,
daß ich unfähig bin,
daß ich groß, klein oder dick bin,
kann ich mich in einen Haufen Müll verwandeln, in Abschaum, in einen Sündenbock, in einem Universalschuldigen, in einem verdammten abzulehnenden Bastard.

Generationen von Männern und Frauen halten mir die Stange. Du kannst Dich nicht von mir lösen. Das Leid das ich verursache, ist so erdrückend, daß Du mich, um mich zu ertragen,  an Deine Kinder weiterreichen musst, damit sie mich an die ihren reichen, Jahrhundert für Jahrhundert.

Um Dir und Deinen Nachkommen zu helfen, werd ich mich als Perfektionismus verkleiden, als hohe Ideale, Selbstkritik, Patriotismus, Moralität, gute Gepflogenheiten, als Selbstkontrolle.

Der Schmerz, den ich Dir verursache ist derart stark, dass Du mich verleugnen willst und deshalb wirst Du versuchen, mich hinter Deinen Persönlichkeiten zu verstecken, hinter Drogen, hinter dem Kampf ums Geld, hinter Deiner Neurose, hinter Deiner unterdrückten Sexualität, hinter Deinen Ängsten.

Aber egal was Du tust, egal, wohin Du gehst, Ich werde dort sein, immer!
Denn ich reise mit Dir, Tag und Nacht, ununterbrochen, grenzenlos.

Ich bin die Hauptursache der Abhängigkeit, des Besitzanspruchs, der Anstrengung, der Unmoral, der Angst, der Gewalt, des Verbrechens, des Wahnsinns.

Ich werde Dir  die Angst vor Zurückweisung lehren und Dein Leben dieser Angst anpassen. Von mir bist Du abhängig, wenn Du weiterhin diese begehrte, gewünschte Person SEIN WILLST, die gefeierte, gemochte, freundlich und angenehm, die Du heute den anderen vorführst.

Von mir hängst Du ab, denn ich bin die Truhe, in der du die unangenehmen Dinge versteckst, die lachhaftesten, unerwünschtesten Deiner Selbst.

Dank mir hast Du gelernt, Dich mit dem zufriedenzugeben, was das Leben Dir gibt, denn was Dir auch immer widerfährt, wird immer mehr sein, als das was Du glaubst, verdienst zu haben.

….. ich bin das Gefühl der Ablehnung, das Du Dir selbst gegenüber hegst.

Gedicht zitiert vom Leo Booth (American Author)

Love
Kimi

 

Ein Gedanke zu „Outcall: tut Tiefgang weh? Erinnere Dich wer Du wirklich bist – Time to reflect

  1. Sehr, sehr bewegend Kimi. Danke für das wunderbare Zitat von Leo Booth. Wo hast Du das nur immer her, haust ein paar Worte raus, dieses Mal von „Leo Booth“, sehr sehr tief, kann ich da nur sagen. Du hast mich heute Abend sehr berührt, so wahr.
    Danke.
    MaXx

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